Tundra bei San Antonio

Neu erbaute Häuser in Reihen, dazwischen viel Grün. Die Einfahrten sind fertig, sogar Hausnummern sind schon angebracht und Küchenschränke installiert. Man könnte eigentlich direkt einziehen; jedenfalls wenn man sich nicht daran stört, dass es weder Wasser- noch Stromanschlüsse gibt. Und dass es die vermutlich auch nie geben wird.

“Tundra Town Home Village” war der Name des Immobilienprojekts, dass 2007 von Mauro Padilla III vorangetrieben worden war. 37 Wohngebäude sind entstanden, eine typische amerikanische Siedlung wie aus einem Guss, gelegen am Highway 16 in der Nähe von San Antonio. Nur – Baugenehmigungen oder auch nur das Recht, das Gebiet zu erschließen hatte Padilla nicht.

Was er aber hatte, war offenbar Verhandlungsgeschick und eine nicht unerhebliche Portion Dreistigkeit. Jedenfalls sammelte er rund $2 Millionen von Investoren ein und Geld von den Banken gab’s noch obendrauf. Das nutzte Padilla dazu, sich selbst ein schickes, großes Haus zu bauen und um seinem Sohn ein rauschendes Hochzeitsfest zu finanzieren. Die gutgläubige Bank war auch ansonsten nicht besonders geschickt im Umgang mit Geld und ist mittlerweile pleite. Herr Padilla wurde 2011 wegen Betrugs zu 12 Jahren Haft verurteilt.

Tundra Town Home Village gehört jetzt dem Insolvenzverwalter und einigen Investoren, aber weitergebaut werden darf nicht, denn Padilla hätte für diesen Fleck wohl auch nie eine Baugenehmigung bekommen. So bleibt die Siedlung stehen, wird ab und zu von Neugierigen besucht und bleibt wohl in dem langsam zerfallenden Zustand erhalten – als Mahnmal und Sinnbild für das, was als “Immobilienkrise” bekannt wurde.

 

(dieser Artikel erschien zuerst am 02. Dezember 2016 in einer vorigen Version des Texasmagazins)

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