Große Politik im Mietwagen

Sie sind angekommen. Das ist die eigentliche Nachricht dieser Geschichte, die irgendwie mit Stella zusammenhängt, mit den Russen, mit Donuts und Zwiebeln und mit Trumps Mauer.

Aber der Reihe nach. Beto O’Rourke ist Mitglied des Repräsentantenhauses für die Demokraten, er vertritt einen Wahlbezirk rund um El Paso. Will Hurd ist Mitglied des Repräsentantenhauses für die Republikaner , er vertritt einen Wahlbezirk zwischen El Paso und San Antonio, immer entlang der mexikanischen Grenze. Beide sind nicht unbedingt das, was man als Politikstars bezeichnen würde und so sind sie außerhalb ihrer Wahlkreise kaum bekannt. Besser gesagt, sie waren kaum bekannt.

Als der Wintersturm Stella diese Woche Unheil für die Ostküste ankündigte, wurden etliche Flüge gestrichen. Darunter auch der, auf den die beiden Abgeordneten gebucht waren, am Dienstag von San Antonio nach Washington. Da beide aber am Mittwoch an einer wichtigen Abstimmung teilnehmen mussten, entschlossen sie sich kurzerhand, einen Mietwagen zu nehmen (einen Chevy Impala) und sich gemeinsam auf die Fahrt zu machen, die über nicht weniger als 2600 Kilometer und zwei Tage gehen würde.

Was bei anderen Leuten zu einem spannenden Road Trip durch den Süden der USA werden würde, geriet bei den beiden texanischen Politikern zu einer Homestory mit interaktiver Multimedia-Komponente. Im Livestream auf Facebook verfolgten tausende die manchmal erheiternden, manchmal engagierten, manchmal nachdenklichen Ausführungen von O’Rourke und Hurd; sogar Marc Zuckerberg war dabei. Kaum ein Thema, das die beiden ausließen, von der russischen Einflussnahme im Wahlkampf über die geplante Mauer an der mexikanischen Grenze bis hin zur Gesundheitsreform wurden alle großen Probleme der amerikanischen Politik im Chevy diskutiert. Zwischendurch blieb reichlich Zeit für Privates und die User im Livestream beteiligten sich am Gespräch und leiteten die beiden Texaner zu lohnenden Zwischenstopps wie einem Donut-Laden in Tennessee.

So wurde aus der Notzusammenkunft ein echtes Lehrstück in Sachen Demokratie. Auch wer nur kurz in den Livestream schaute, konnte erkennen, dass selten so viel Politik diskutiert wurde wie in diesen Tagen – und dass amerikanische Spitzenpolitiker jederzeit dazu bereit sind, über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg zu denken.

 

Eine Zusammenfassung der Reise von Hurd und O’Rourke inklusive etlicher Videoausschnitte gibt es hier: http://www.elpasotimes.com/story/news/politics/blogs/tx-capital-report/2017/03/16/20-best-moments-orourke-hurds-road-trip/99223134/ 

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