Der Dr. geht weg

Eine recht gesichtslose Holding, gelistet in Luxemburg und gesteuert von einer deutschen Milliardärsfamilie, das soll jetzt die neue Heimat eines texanischen Kulturguts sein. Die Dr. Pepper Snapple Group, einer der größten Getränkekonzerne in den USA, wird nach einer Pressemeldung von heute vom Kaffeeriesen Keurig Green Mountain übernommen, die wiederum zur JAB Holding gehört, die sich wiederum in den Händen jener deutschen Familie befindet.

An und für sich wäre das keine besonders ungewöhnliche Meldung und auch keine besonders aufregende, wenn es sich bei Dr. Pepper, dem Markenkern des Unternehmens, nicht um ein wichtiges Stück Texas handeln würde. Die Soda dieses Namens gibt es in den USA überall und ist recht beliebt, aber nur in Texas ist man so richtig stolz drauf. Das Magazin „Texas Monthly“ hatte in den Siebzigern mal ausgerechnet, dass im Durchschnitt jeder Texaner alle drei Tage eine Dr. Pepper trinkt. Und nur in Texas, genauer gesagt an der Baylor University, gibt es einmal in der Woche eine Dr. Pepper Hour.

In den 1880er Jahren hat der Apotheker Charles Alderton in Waco das Kultgetränk entwickelt und es einem Ladenbesitzer zum Probieren gegeben. Der war davon so begeistert, dass er Dr. Pepper – warum der Softdrink so heißt, hat man nie so richtig herausgefunden – fortan an seiner Soda Fountain ausschenkte, wo die Leute schnell auf den Geschmack kamen. Dr. Pepper wurde so beliebt, dass Alderton Angst vor Nachahmern bekam und das Rezept angeblich in zwei Hälften teilte und diese Hälften in Schließfächern in zwei verschiedenen Banken in Dallas aufbewahrte. Das Getränk wird heute überall in der Welt abgefüllt, wobei in den USA fast überall Maissirup zum Süßen verwendet wird – aber nur fast überall. In Abilene und in Temple, Texas nutzen sie bis heute Zucker zu diesem Zweck, so wie auch in Europa.

Besonders traurig über die Entwicklungen dürfte man in Dublin in Central Texas sein, wo sich die erste und über lange Jahre einzige Abfüllanlage für Dr. Pepper befand. Auch wenn hier seit einigen Jahren nicht mehr abgefüllt wird, den „Geburtstag“ von Dr. Pepper feiern sie hier immer noch jedes Jahr im Juni und in der alten Anlage führen sie Touristen herum und erzählen die Geschichte vom texanischen Kultgetränk, dessen Erträge jetzt nach Luxemburg fließen.

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